»reality check« bei der YOUKI in Wels

Am 23.11. war filmABC mit der vom BMUKK unterstützten Film- und Diskussionsreihe »reality check – Jugend, Trends, Werte, Gesellschaft« beim Internationalen Jugend Medien Festival YOUKI in Wels zu Gast. Passend zum Festivalmotto „Probierräume“ wurde Hüseyin Tabaks Kurzfilm HEIM gezeigt. Im Anschluss konnten die etwa 100 anwesenden Jugendlichen gemeinsam mit dem Kameramann Lukas Gnaiger, dem Soziologen und Leiter der Jugendmedienprojekte im Medien Kultur Haus Wels Boris Schuld sowie dem Psychotherapeuten und Jugendbetreuer Sebastian Lessner die Inhalte und die Machart des Films diskutieren – was sie auch ohne Scheu und engagiert getan haben!

In dem 25-minütigen Kurzspielfilm HEIM eignet sich ein Junge ein verlassenes Haus an und schafft sich dort einen Rückzugs- und Schutzraum. Er verteidigt den Raum gegen Eindringlinge, richtet sich dort immer weiter ein, hört Musik, betrinkt sich, tanzt, trainiert, macht Hausaufgaben, empfängt weiblichen Besuch und bringt seine kleine Schwester mit – bis ihn seine Eltern aufstöbern und der Raum nach und nach eine neue Nutzung erfährt.

Der formell anspruchsvolle Film – durchgehend derselbe Raum, nahezu alle Szenen sind in einer festen Kameraeinstellung gedreht – zeigt die Gründe für das Fluchtverhalten des Jungen nicht offensichtlich, auch wenn sich diese erahnen lassen. Allein durch diese Aspekte bietet HEIM ideale Ansatzpunkte für eine interessante Diskussion. Rasch wurden von den Jugendlichen dann auch die Rolle und Bedeutung des Raums thematisiert und im weiteren die Hauptfigur, sein Umfeld und die möglichen Beweggründe für seine Flucht intensiv und durchaus kontrovers diskutiert – auch im Rückgriff auf ähnliche eigene Erfahrungen.

Offen näherte sich das junge Publikum, in der Mehrzahl HauptschülerInnen und Auszubildende, den im Film transportierten Themen und ließ auch Aspekte wie die möglichen familiären Missstände, Aggression und Aggressionsabbau, aber auch die sexuelle Zurückweisung, die dem Protagonisten widerfährt, nicht aus.

Auch die Art und Weise, wie der junge Schauspieler Leonhard Berger – der aufgrund seiner Schulpflicht in Wien leider nicht mit nach Wels fahren konnte und die Diskussion sicherlich zusätzlich bereichert hätte – seine Rolle verkörpert und der Geschichte dadurch Authentizität verliehen hat, beeindruckte die Jugendlichen sehr. In diesem Kontext lieferte der Kameramann des Films, Lukas Gnaiger, jede Menge Hintergründe zur Entstehung des Films und vermittelte anschaulich einen wesentlichen Aspekt, wie insbesondere die Form des Kurzfilm funktioniert – zu einem großen Teil in den Köpfen der BetrachterInnen.

Gegen Ende bewegte sich die mehr als einstündige Diskussion zwischen den Polen „wohin sich wenden, wenn man bei Problemen Rat sucht“ (und als Ansprechperson dem Gast Sebastian Lessner) und „wohin sich wenden, wenn man selbst einen Film machen möchte“ (und als Ansprechperson dem Gast Boris Schuld). Und auch wenn die meisten dann doch selbst am liebsten einmal einen Action- oder Horrorfilm drehen würden, kamen die Jugendlichen gemeinsam zu dem Schluss, dass (dieser) Kurzfilm eine besondere Filmerfahrung war und dass es wichtig ist, im und durch Film „normale“, alltägliche Themen zu behandeln. Denn, so das Schlusswort eines Schülers: „Es ist doch wichtig, das Leben zu zeigen, wie es wirklich ist!“

Nach dem interessanten und erfolgreichen Gastspiel in Wels finden in nächster Zeit zwei weitere »reality check« Veranstaltungen statt: am 13.12. im Theresianum Eisenstadt und am 27.01.2012 im Rahmen der 7. Edition des JugendFilm und VideoFestival KLAPPE in Salzburg – jeweils mit dem Kurzfilm SPASS MIT HASE von Judith Zdesar. Informationen zur Veranstaltungsreihe finden sich auf der filmABC-Website unter http://www.filmabc.at/de/realitycheck/.

Und hier noch Impressionen aus Wels:

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